Dienstag, 23. September 2014

Kulturphilosophische Brocken

Kultur ist zu verstehen als 
geistig-vergesellschaftendes Netz kollektiver Seinsauslegung und Entwürfe, das den Einzelnen zur Generierung eines Selbst verhilft.

Religion ist ein Metaphysisches Sinndeutungssystem.
Im Zentrum steht die Warum-Frage, expliziert in Fragen nach dem Verhältnis von Endlichem und Absolutem, von Bedingtem und Unbedingtem wird die religiöse Dimension letzter Gedanken aufgedeckt. Religiöse Sinndeutung ist Deutungspraxis für die eigene Lebensführung.
Weiter mit Clifford Geertz: 
Religion ist ein Symbolsystem, das darauf zielt, starke, umfassende und dauerhafte stimmungen zu schaffen, indem es starke Vorstellungen einer allgemeinen Seinsordnung formuliert und diese Vorstellungen mit einer solchen Aura von Faktizität umgibt, dass Stimmungen der Wirklichkeit entsprechen.

Freitag, 19. September 2014

Vom Träumen - eine kleine Annäherung

Träumen - nachgedacht
Träume sind nicht nur Narrative, die das Reale transzendieren, oder imaginäre Parallelwelten, sondern fundamentale Akte, die, in Auseinandersetzung mit den konkreten sozialen und politischen Bedingungen geschaffen, der Geschichte, der Natur und dem Leben erst ihre Bedeutung verleihen. Insofern bieten sie einen Schlüssel zum Überleben. Somit sind Vorschläge, Mythen, Wünsche und Träume präsent, um mit der Wirklichkeit zu korrespondieren und auf diese ein anderes Licht zu werfen. Spekulatives Denken ist in die Nähe dieser Traumdeutung anzusiedeln.
Der Traum führt durchs Leben, weil in ihm das Erbe des auf Zukunft gerichteten Geistes steckt. Die Erinnerung an das Vergangene springt um in Zukunftssehnsucht. Irgendwie ist der Traum das wahre Leben im Falschen.
Nicht als Flucht ist der Traum gemeint, sondern als Kritik, als Unterscheidung, indem er diese Differenz vom Wahren im Falschen aufzeigt.
Im Traum die Dinge, die andere nicht sehen, auf nicht spezialisierte Weise und untechnisch zusammenzubringen, das ist der Traum der Kunst, kein Produkt wie jedes andere, sondern ein wertvolles Erlebnis. In dieser Weise über den Traum als Reaktion auf Erfahrung nachdenken führt zu der offenen Frage, welcher Sinn soll dem enormen Input verliehen werden.

Dienstag, 6. Mai 2014

Philosophische Grundlegung in interkultureller Sicht - eine Miniatur

Philosophische Grundlegung in interkultureller Sicht

Heinz Hübner, Mai 2014
aus der Reihe "Philosophische Miniaturen"

Als Menschen leben wir in kultürlicher, nicht einfach auf natürliche Weise. Das betrifft alle Bereiche, etwa die Art, wie wir denken, was uns fremdartig oder selbstverständlich erscheint oder was wir glauben oder nicht glauben. Es betrifft die Ausbildung allgemeiner Begriffe, um Fragen zu beantworten, wie:
Was ist wirklich?
Was können wir wissen?
Was sollen wir tun?
Diese Fragen lassen sich in schriftlichen und mündlichen Zeugnissen vieler Kulturen belegen. Wenn diese Fragen begrifflich entwickelt werden, kann man von Philosophie sprechen. Es geht dabei also nicht nur um einfaches Nachsinnen, sondern um philosophisches Denken.

1. Philosophie ist wie etwa Wissenschaft, Kunst oder Religion ein kulturelles Erzeugnis des Menschen. Bleiben solche Ideen und Gedanken längerfristig im kulturellen Gedächtnis, bildet sich eine Tradition des Denkens aus.

2. Menschen leben und schaffen in einem gesellschaftlichen Zusammenhang. Der Einzelne ist nicht losgelöst aus Raum und Zeit, Geschichte und gesellschaftlichen Kontext.

3. Philosophie als Ausbildung und Antwort auf Fragen nach der ontologischen Grundlegung, der epistemischen Bedingung und der normentheoretischen Setzung ist ein Vorschlag, in einer bestimmten Weise über Vorstellungen und Ideen zu sprechen. Eine philosophische Definition ist dabei nie letztgültig, sondern basiert auf einem denkerischen Konsenz.

4. Philosophie will in diesen grundlegenden Fragen zu Einsichten gelangen, diese begrifflich angemessen ausdrücken und sie somit einer intersubjektiven Prüfung zugänglich machen.

5. Werden Antworten auf ontologische, erkenntnistheoretische oder normentheoretische Fragen mit Mitteln des Denkens gesucht, kann von einer Philosophie gesprochen werden.

6. Philosophie sucht Antworten auf diese Grundfragen, indem sie 
a) Begriffe definiert
b) Argumente entwickelt
c) Methoden des Erkenntnisgewinns herstellt
d) Irrtumsvermeidung reflektiert. 
Dabei müssen identifizierbare Inhalte und eine Form der Reflexion gegeben sein, damit von einem philosophischen Denken gesprochen werden kann.

7. Das Vorgehen des philosophischen Denkens kann über verschiedene Ansätze erfolgen, die nie absolut, sondern immer hinterfragbar bleiben.
a) Vorliegende philosophische Texte werden analysierend bearbeitet, doch die Auswahl dieser Texte aus dem Fundus der Geistesgeschichte macht die Gefahr einer Verengung obsolet.
b) Die Analyse von Theorien, Methoden und Aussagen verschiedener Wissenschaften, um allgemeine Prinzipien zu gewinnen, die zur Beurteilung von Theorien und Normsystemen brauchbar sind.
c) Erforschung der Philosophiegeschichte mit der Absicht, Widersprüchliches in verschiedenen Schulsystemen herauszustellen und auf Bezüge untereinander zu verweisen.
d) Durch philosophische Spekulation unverrückbare Wahrheiten und unaufgebbare Werte auffinden.
e) Erarbeitung eines allgemeinen Kanons durch Rekonstruktion der Geistesgeschichte.

8. Die philosophische Tätigkeit besteht somit in gegenseitiger Kritik in Anregung und Auseinandersetzung. Eine solche Forschung ist dialogisch interkulturell anzulegen. Denn:

9. Es gibt nicht die eine, vollständige und unüberholbare Antwort auf die philosophischen Grundfragen. Deshalb glaube nicht, dass alles von Bedeutung ist, was von sich Rede macht, und dass dasjenige nicht von Bedeutung ist, worüber wenig geredet wird. Philosophisches Denken glaubt sich selbst und ist dabei in dieser Weise kritisch.
Denn Philosophie ist keine Lehre, sondern eine Haltung. 
Philosophie ist nicht die Weisheit, sondern die Liebe zur Weisheit.
Da jedes Denken im philosophischen Sinne kulturell bedingt ist, gilt es, die Kernbereiche der Philosophie, so wie sie sich in der okzidentalen Tradition darstellen, als Frage nach der Grundstruktur der Wirklichkeit, als Frage nach der Erkennbarkeit der Wirklichkeit und als Frage nach der Begründbarkeit normativer Sätze nicht als unumstössliche Rahmenbedingungen des Denkens zu erfassen. Denn in jeder Kultur gibt es denkerische Projekte, die versuchen, die drei okzidentalen Problembereiche zu klären, jedoch mit unterschiedlichen Weltbildern, Wertordnungen, logischen Denkformen, in fremden Mythen, Religionen, Bräuchen und Institutionen eingebettet.

10. Philosophien sind solche denkerischen Projekte, die ohne Berufung auf bloße Tradition, auf religiösen Glauben oder auf eine andere über der menschlichen Vernunft angesetzte Autorität ihre Fragen zu klären versuchen.

11. Philosophie zielt dabei auf methodische, intersubjektiv nachvollziehbare Argumentation ab. In der Orientierung des Denkens nach Regeln, die zwar nicht unabhängig von Prägungen innerhalb der jeweiligen Sprache und Kultur sind, wobei auch religiös vermittelte Denkweisen anzutreffen sind, hat sie sich dem Anspruch zu stellen, über kulturelle Grenzen hinweg intelligibel zu sein.

12. Zum Erweis der Intelligibilität ist ein Vorbegriff von Philosophie inhaltlich und methodisch notwendig, um Abgrenzungen des Denkens vorzunehmen und sich der Frage, worum es geht, zu nähern. Dass der Vorbegriff, das philosophische Eröffnungsfeld, okzidental gefasst ist, beruht auf der kulturellen Herkunft des "eigenen" Denkens. Das "fremde" Denken verstehen, sich ihm annähern, geschieht auf der Basis der Selbstvergewisserung des "Eigenen". Ziel ist es, allgemein intelligible Thesen zu begründen. Worauf es ankommt, ist nicht die Allseitigkeit sondern die jeweils sachlich begründete Entscheidung zwischen Einseitigkeit und Vielfältigkeit.

13. Philosophie, die in dieser Weise zu Werke geht, ist eine Disziplin, die sich mit den dargestellten grundsätzlichen Fragen beschäftigt, die nicht allein durch Methoden der Einzelwissenschaften beantwortet werden. Philosophie entwickelt etwa durch logische Verknüpfungen Regeln des wissenschaftlichen Einzelspiels. In diesem Format ist Philosophie weder als Weltanschauung oder Ideologie, noch als Religion aufzufassen.

14. Philosophie als bestimmte denkerische Haltung und zwar kulturübergreifend beginnt oftmals mit dem "Staunen" in der Selbsteinschätzung des Menschen, dass es überhaupt "etwas gibt" und nicht vielmehr nichts. In der weiteren Suche nach Wahrheit gleicht der dann Philosophierende einem Menschen, der sich in der Bewegung des "Stolperns" und wiederum "Staunens" befindet, um die Wahrhaftigkeit der Weisheit zu ent-decken.

15. Philosophie als Liebe zur Weisheit ist interkulturell ein nie endender Prozess. 

Heinz Hübner, Mai 2014
aus der Reihe "Philosophische Miniaturen"

Freitag, 2. Mai 2014

Glauben evangelisch

Was ist evangelischer Glaube?



Es gibt viele christliche Kirchen. Der Glaube an den dreieinigen Gott verbindet alle Christen. Was ist nun das Besondere am evangelischen Glauben?


 Christen bekennen, dass sich Gott uns Menschen zu erkennen gibt als Vater und als Schöpfer und Erhalter seiner Schöpfung, als Sohn und Erlöser in Jesus Christus und als Heiliger Geist, in dem Gott bei uns gegenwärtig ist. Evangelischer Glaube  ist gekennzeichnet durch vier unverzichtbare Glaubensgrundsätze: Allein aus Glauben, allein aus Gnade, allein Christus, allein die Heilige Schrift.


Allein aus Glauben

Glaube hat weniger mit vermuten, meinen oder fürwahrhalten zu tun als mit Vertrauen. Glauben heißt, im Leben und im Sterben seine Hoffnung und sein Vertrauen auf Gott, den Jesus Vater genannt hat, zu setzen. Glaube ist Ausdruck einer Beziehung.


Christen vertrauen darauf, dass Gott hält, was er versprochen hat, dass seine Herrschaft in Liebe und Gerechtigkeit in dieser Welt anbricht, dass er Menschen nicht allein lässt, wenn sie leiden. Christen vertrauen darauf, dass Gott sie mit ihren Lasten trägt und sie im Einsatz für andere stärkt. Christen vertrauen darauf, dass Leiden, Schuld, Versagen, das Böse und der Tod nicht das letzte Wort haben. Sie setzten ihre Hoffnung darauf, dass Gott sie auch jenseits der Todesgrenze bei ihrem Namen ruft. Gott sieht seine Menschen mit Augen der Liebe an – egal, was sie von ihm trennt. Dieses Vertrauen gründet in der Geschichte und in den Worten Jesu. Dieser Glaube ist ein Geschenk Gottes, das er durch seinen guten Geist, den Heiligen Geist, bewirkt.


Glaube berührt und gestaltet als Zuspruch und als Anspruch das ganze Leben. Kein Bereich ist ausgenommen. Worte wie Vertrauen, Zuversicht, Treue werden dem, was mit dem Wort „Glauben“ beschrieben ist, am ehesten gerecht.


Allein aus Gnade

Gnade ist womöglich der wichtigste Begriff evangelischen Glaubens. Menschen, die meinen, aus eigener Kraft leben zu können, trennen sich so von Gott. Das nennt die Bibel Sünde. Doch Gottes vergebende Liebe hebt diese Trennung durch Jesus Christus auf. Er versöhnt uns mit Gott und lädt uns ein, im Vertrauen auf seine Güte zu leben. Gott hebt die Entfremdung zwischen sich und dem Menschen auf, ohne dass der Mensch dazu etwas beitragen könnte. Gott macht seine Liebe nicht von vorbildlichem Leben, korrektem Verhalten, frommen Übungen oder hervorragendem Einsatz für andere abhängig. Das war Luthers „reformatorische Entdeckung“ und ist die Geburtsstunde evangelischen Glaubens: Wir sind Gott recht, ohne dass wir etwas dazu beitragen könnten. Im stellvertretenden Leiden und Sterben seines Sohnes und in der Teilhabe an seiner Auferstehung ist für uns alles getan.


Allein Christus

Jesus Christus ist die Mitte unseres Glaubens. Von ihm erzählt die Bibel, vor allem das Neue Testament. Er lebte etwa in den Jahren 0 bis 30 nach Christus. Im Auftrag Gottes predigte er, dass Gott diese Welt liebt und sie zum guten Ziel bringen wird. Zum Zeichen dafür heilte er Kranke, vergab Sünde (Schuld) und wandte sich den Armen und Ausgestoßenen zu. Seine Botschaft, dass er der von Gott gesandte Retter, der Sohn Gottes, ist, wurde abgelehnt und als Gotteslästerung empfunden. Er wurde gefangen genommen und am Kreuz hingerichtet. Nach drei Tagen erweckte Gott ihn von den Toten und gab ihm Anteil an seiner Macht. Er wird wiederkommen, um Gottes Heil endgültig durchzusetzen. 


Jesus Christus ist der einzige Retter und Herr, an den wir glauben und den wir anbeten. „In keinem anderen ist das Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“ (Apostelgeschichte 4, 12)


Allein die Bibel

Der Maßstab für unseren Glauben und für unser Leben ist die Bibel. An ihr prüfen wir alle Erfahrungen und Äußerungen des Glaubens. Die Bibel ist eine Sammlung von 66 Büchern. Sie besteht aus dem Alten und Neuen Testament und erzählt, welche Erfahrungen Menschen mit Gott gemacht haben, wie Gott handelt, was Er schenkt und was Er erwartet. So spricht Gott uns durch die Bibel an, um unseren Glauben zu wecken und uns in seine Gemeinde zu rufen.


Die Gemeinde

Die Bibel bezeichnet die Gemeinde als das Volk Gottes, den Leib Christi und die Familie Gottes. In ihr dient jeder mit der Gabe, die er empfangen hat. Die evangelischen Christen eines Ortes gehören in der evangelischen Landeskirche zu einer Kirchengemeinde, die „Evangelisch-Lutherisch“, „Evangelisch-Reformiert“, „Uniert“ oder einfach „Evangelisch“ heißen kann.

Religionswissenschaft als kulturwissenschaftliche Disziplin

Vergleichende Religionswissenschaft - Warum und Wozu?

"Wer nur eine Religion kennt, kennt keine; wer nicht geduldig und aufrichtig die anderen Religionen geprüft hat, kann nicht wissen, was das Christentum wirklich ist."
(Max Müller, 1876)

Mit diesem Zitat begründe ich die Notwendigkeit einer von der christlichen Theologie unabhängige Religionswissenschaft. 
Sie ist als Geisteswissenschaft eine humanwissenschaftliche und empirisch arbeitende Disziplin, die Religion empirisch, historisch und systematisch erforscht.
Hierbei ist Religion als eine spirituelle Grundkomponente des Menschen aufzufassen. Wenn unter Kultur die Summe der Effekte von innovativen Handlungen des Menschen im Rahmen seiner Anpassung an die Umwelt in der Daseinsgestaltung in sozialen Gemeinschaften zu verstehen ist, kann die Religionswissenschaft als eine Disziplin der Kulturwissenschaften bezeichnet werden.
Sie berücksichtigt in ihrer Forschung jene Kulturgüter, die aus religiöser Überzeugung einzelner Menschen oder Gemeinschaften geschaffen wurden. Darunter fallen schriftlich fixierte religiöse Traditionen, religiös motiviertes Literaturschaffen sowie materielle und geistige Weltgestaltung, die sich etwa in der Errichtung von Kultbauten o.ä. zeigt. Daneben untersucht die Religionswissenschaft auch Gesellschaftsformen, die von religiösen Überzeugungen geprägt sind. 
Religionswissenschaft analysiert Religion somit als Teil des Beziehungsgeflechts von Mensch, Gesellschaft und Kultur, wobei Religion in empirisch fassbarer und erforschbarer Form von Menschen für Menschen initiiert wird. 
Eine Untersuchung von Glaubensinhalten auf der Sachebene, etwa in Form einer Suche nach transzendenter Wahrheit, nimmt die Religionswissenschaft nicht vor, hingegen ordnet, klassifiziert, vergleicht und analysiert sie die Erscheinungsformen und Elemente verschiedener Religionen. 
Religion so verstanden ist ein gleichberechtigtes gesellschaftliches Subsystem neben z.B. der Wirtschaft, dem Recht, der Politik und der sozialen Sphäre, eben ein kulturelles Segment. Da es zwischen den einzelnen Segmenten  einer Gesellschaft zahlreiche Verflechtungen und Querverbindungen existieren, ist die Religionswissenschaft als vergleichende Disziplin grundsätzlich interdisziplinär anzugehen.
Ihre methodische Aufgabe als vergleichende Religionswissenschaft ist es, die sichtbaren Äußerungen, die aus der religiösen Komponente des Menschen entstehen, zu erfassen und im Kontext der jeweiligen Kultur zu interpretieren. Dabei handelt es sich um eine kulturwissenschaftliche Deutung, nicht um eine theologische Vergewisserung. Theologien können grundsätzlich Gegenstand der Religionswissenschaft sein, die theologische Methodik ist allerdings für die vergleichende Religionswissenschaft keine maßgebende Größe.
Die vergleichende Religionswissenschaft arbeitet eher als Gegenstück zu einer theologisch bzw. religionsphilosophisch geprägten phänomenologischen Sichtweise der Religion. Ebenso lehnt sie die einseitige historische Perspektive, die nur an heiligen Texten und Entstehungsprozessen interessiert ist, ab. 
Als kulturwissenschaftlich ausgerichtete Religionswissenschaft hat sie die Aufgabe, die in der Öffentlichkeit durchgeführten Aushandlungen über Weltdeutungen darzustellen, systematisch-analytische Untersuchungen zu zentralen religiösen Konzepten vorzunehmen und Entwicklungen der Religionsgeschichte im Kontext allgemeiner historischer und gesellschaftlicher Entwicklung zu erforschen. Zur Vermeidung eurozentrischer Einseitigkeiten ist dabei vermehrt auf die außereuropäische Empirie von Daten für die Theoriebildung in der Religionswissenschaft zurückzugreifen und diese Daten nicht vornehmlich dem modernen europäischen Kontext zu entnehmen.
Religion als Aufgabe der Religionswissenschaft konstituiert sich als ein kulturelles System, das ausgehend von einer identitätsbegründenden Komponente - Stifter, Urahne oder Urschrift - durch gemeinsame Anschauungen und Weltdeutungen - Lehre und Praxis - eine Gemeinschaft in durchaus unterschiedlich dichter Organisationsstruktur hervorbringt. Wie solche Prozesse der Identitätsbegründung, der Aushandlungen von Weltdeutungen und der Entwicklung und Veränderung der religiösen Gemeinschaft in Geschichte und Gegenwart ablaufen und wie diese Abläufe auch außerhalb der jeweiligen Religionsgemeinde wahrgenommen werden, ist dabei der Gegenstand, den die Vergleichende Religionswissenschaft zu analysieren, beschreiben und interpretieren hat.
Die Vergleichende Religionswissenschaft ist so zu einer von den Theologien unabhängige Wissenschaft zu entwickeln, was vor allen Dingen die Diskussion der Methodik des Faches zu einer eigenständigen Disziplin betrifft, wodurch ihr ein eigenständiges Profil innerhalb der Kulturwissenschaften zukommt.

Samstag, 29. März 2014

Einblicke zur Interkulturellen Philosophie

Thesen zur interkulturellen Philosophie
1. Kulturen sind in sich heterogen. Kein Charakteristikum kann damit verteidigt werden, dass es zu einer Kultur gehört.
2. Kulturen sind keine geschlossenen Entitäten. Jede Kultur ist auch Ergebnis fremder Einflüsse.
Kulturen sind keine Organismen, schon gar keine lebenden Organismen. In jeder Kultur wird gerungen durch Argumente und Setzungen, die Gültigkeit beanspruchen, mit Überzeugungskraft nebst Durchsetzungsvermögen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Gültigkeit (=Geltung) und Akzeptabilität und Überzeugungskraft in historischen, rechtlichen, soziopolitischen und psychologischen Analysen. Eine terminologische Unterscheidung (Differenz) gilt es, wahrzunehmen: Das Allgemeine - Das Besondere=Das Spezifische. Das Abstrakte - Das Konkrete, nicht allgemein gilt dann als konkret; nicht abstrakt gilt als spezifisch.
Was Fragen der Akzeptabilität und Durchsetzbarkeit betrifft, sind Spezifika wichtiger als allgemeine Konzepte. Das gilt in gleicher Weise für die Konkretion gegenüber dem Abstrakten. Friedlichkeit ist eine von niemandem in Frage gestellte Sache. Aber Frieden im Spezifischem birgt einiges an Konfliktpotential.
3. Verschiedene Kulturen haben gemeinsame Merkmale: sie sind Menschenwerk. Dabei gilt es, anthropologische Konstanten, Orientierung an logischen Gesetzen, Regeln von Ursache und Wirkung zu beobachten. Es können prägende Gemeinsamkeiten in jeweiligen Umwelten herausgearbeitet werden. An diese Gemeinsamkeiten gilt es, transkulturell anzuknüpfen. 
4. Kulturen sind keine statischen Phänomene. Sie sind veränderlich, warten in einem dynamischen Erscheinungsbild auf. Deshalb ist der Ist-Zustand einer Kultur auch nicht festzuhalten.
Die den Alltag bestimmenden distinktiven Kulturmerkmale sind relativ spezifischer Art, nicht auf der fundamentalen Ebene ethischer oder moralischer Normen zu verorten. Es ist deshalb als fragwürdig anzusehen, die eigene Kultur in Form einer Auszeichnung radikal gegen andere Kulturen abzugrenzen. Das grenzt immer oft an eine willkürliche Setzung. Ein besserer Weg ist ist, unterschiede und Gemeinsamkeiten zu begründen. Sind Begriffe und Vorstellungen geeignet zu einer intersubjektiven, argumentativen Auseinandersetzung in der Form einer Zusammensetzung?
5. Es muss in der interkulturelle Philosophie darum gehen, Mittel und Wege zu einem alle Menschen einschließendem kulturellen Miteinander zu finden, dass jeder Kultur, jedem Einzelnen seine wohlbegründete spezifische Kulturalität lässt. Der Weg dazu führt über Untersuchungen, welche Philosophie dieses Anliegen begünstigt, um herauszustellen, was im Diskurs fragwürdig erscheint. Optimale Verallgemeinerungen und notwendige Ausdifferenzierung zeichnet diesen methodischen Weg aus.
6. Das Ziel einer interkulturellen Arbeit ist die gewaltfreie interkulturelle Verständigung durch argumentative Qualität des Zusammensetzens, um rassistische, kukturalistische und politische Instrumentalisierungen des Kulturellem zu begegnen, die der Verständigung entgegenwirken. 
7. Kultur ist in Differenz zur Natur zu sehen. Sie ist eine von Menschen geschaffene Lebensform, deren Eigenschaften und Merkmale für eine größere Gruppe, Zeitspanne und Lebensraum kennzeichnend sind. Kulturelle Tätigkeit entspringt zuvörderst der Beantwortung der allgemeinen und damit spezifischen philosophischen Fragen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?  

Sonntag, 23. März 2014

Der menschliche Denkapparat - philosophisch betrachtet

Zusammenfassung Immanuel Kant, Transzendentalphilosophie
Ausgangspunkt: was kann man durch reines Denken ohne Rückgriff auf Erfahrung über die Welt herausfinden (also a priori)
Position des Empirirismus, z.B. David Hume: durch reines Denken können keine Wahrheiten über die Welt erkannt werden!
Kant: Ja, aber man kann über die Grundstrukturen der Erfahrungswelt a priori substantielle Erkenntnisse, Wahrheiten gewinnen. Denn die Welt und die in ihr vorkommenden Gegenstände haben bestimmte Eigenschaften, um überhaupt Gegenstände der Erfahrung zu sein. Darum geht es, diese Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung herauszustellen. Und die Philosophie, die diese Bedingungen versucht, darzustellen, ist bei Kant die Transzendentalphilosophie, nicht Transzendenzphilosophie, also etwas, das über die Erfahrungen hinausgeht, sondern etwas das a priori "vorhergeht", um die empirische Erkenntnis möglich zu machen! Diese Transzendentalphilosophie, die sich mit den Bedingungen der empirischen Erkenntnis beschäftigt, ist nunmehr noch aufzuteilen in eine transzendentale Elementenlehre, bestehend aus transzendentaler Sinnenlehre und transzendentaler Logik, sowie der transzendentalen Methodenlehre, die die formalen Bedingungen eines vollständigen Systems der reinen Vernunft bestimmt.
Diese Transzendentalphilosophie kommt zum Ergebnis:
Gegenstände müssen räumlich und zeitlich geordnet sein, um Gegenstände der Erfahrung sein zu können. ( Anschauungsformen )
2.  Alle Veränderungen in unserer Erfahrungswelt haben eine Ursache (Kausalität)
Die Welt, wie sie uns erscheint, wird mit "Welt der Erscheinungen" (Phänomena) bezeichnet. 
Von der Erscheinungswelt ist die Welt der Dinge an sich (Noumena) zu unterscheiden.
Erfahrungen kommen zustande, indem die Noumena in uns Anschauungen hervorrufen, die der Verstand anhand der Anschauungsformen (Raum und Zeit), sowie der Kategorien (Substanz, Kausalität u.a.) so strukturiert, dass eine Welt erfahrbarer Gegenstände entsteht.
Kritik bei Kant heißt nicht das, was wir heute unter Kritik verstehen, sondern ist ein Unterscheiden oder begriffliches Abtrennen von reiner und unreiner Vernunft und auch ein Legitimationsversuch der reinen Vernunft.
Kant nimmt eine Unterscheidung zwischen Ästhetik (Wahrnehmung, Aisthetik) und Logik vor, da es zwei menschliche Quellen der Erkenntnis gibt, nämlich die sinnliche Wahrnehmung und den Verstand.
 
Das erste Begriffspaar bilden also die Anschauung und der Verstand (Denken).
 
Wobei die Anschauung durch Sinnlichkeit aus den Gegenständen gegeben ist und etwas darüber aussagt, auf welche Art und durch welche Mittel sich Erkenntnisse auf Gegenstände beziehen. Der Verstand denkt die Anschauung und bringt sie in Begriffe.
 
Neben der Anschauung und dem Verstand sind die Sinnlichkeit und die Empfindung in Kants Terminologie ebenfalls von zentraler Bedeutung.
 
Die Fähigkeit, Vorstellungen durch das Affiziert-werden von Gegenständen zu bekommen, nennt Kant Sinnlichkeit.
 
Vermittelst der Sinnlichkeit also werden uns Gegenstände gegeben, und sie allein liefert uns  Anschauungen.
Er weist darauf hin, daß sich das Denken immer auf die Sinnlichkeit und auf die Anschauung bezieht, weil nur dadurch der Gegenstand gegeben werden kann.
Die Wirkung eines Gegenstandes auf die Vorstellungsfähigkeit heißt Empfindung. Damit sind drei der zentralen Begriffe, nämlich Anschauung, Sinnlichkeit und Empfindung bereits definiert.
Des Weiteren arbeitet Kant die Anschauung präziser heraus: Die Anschauung, die sich auf einen Gegenstand durch Empfindung bezieht, bezeichnet er als empirische Anschauung. Der empirischen Anschauung hängen Empfindungen an. Der unbestimmte Gegenstand der empirischen Anschauung ist die Erscheinung. In der Erscheinung enthalten, sind Materie und Form, womit sich ein weiteres Gegensatzpaar abzeichnet. Die Materie korrespondiert mit den Empfindungen. Die Form ordnet die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen. Deshalb ist die Form selbst auch keine Empfindung, sondern die Art und Weise der Verarbeitung von Empfindung. Die Materie aller Erscheinungen ist a posteriori gegeben. Die Form liegt im Gemüt a priori bereit und ist abgesondert von allen Empfindungen  die Form liegt also nicht im Gegenstand, sondern im Gemüt. Interessant bei Kant ist sein Isolationsverfahren, daß uns zur reinen Anschauung führt. Als reine Anschauung kann das bezeichnet werden, was nicht unbedingt vorstellbar, aber denkbar ist. Kant verdeutlicht, daß die reine Vorstellung eine Vorstellung ohne Empfindung ist; das heißt, die reine Form der sinnlichen Anschauung ist im Gemüt a priori gegeben. Im Gemüt wird das Mannigfaltige der Erscheinungen in gewissen Verhältnissen angeschaut. Die reine Form der Sinnlichkeit ist die reine Anschauung. Zu der gelangt Kant, indem er von der Vorstellung eines Körpers das Denken des Verstandes subtrahiert und davon noch die Empfindung abzieht. Dann bleiben Ausdehnung und Gestalt übrig, die gehören zur reinen Anschauung a priori und finden als bloße Form der Sinnlichkeit im Gemüt statt. Zur reinen Anschauung gelangt Kant, indem er von der Sinnlichkeit den Verstand abzieht; dabei erhält er die empirische Anschauung. Davon zieht er die Empfindung ab  das ergibt die reine Anschauung, die reine Form der Erscheinung ist und Sinnlichkeit a priori.
 
Zwei reine Formen sinnlicher Anschauung als Prinzipien der Erkenntnis a priori sind Raum und Zeit.
 
Die Transzendentale Ästhetik (Aisthetik) bezeichnet Kant als die Wissenschaft von allen Prinzipien der Sinnlichkeit a priori. Sie ist der erste Teil der transzendentalen Elementarlehre; im Gegensatz zur transzendentalen Logik, die sich mit den Prinzipien des reinen Denkens beschäftigt.
Das Transzendentale oder auch die transzendentale Sinnlichkeit bei Kant meint die
Bedingung der Möglichkeit der Erscheinung von Gegenständen, also die Bedingung der Möglichkeit von Wahrnehmung. Damit fragt das Transzendentale immer nach der Art und Weise, wie Gegenstände zu Objekten der Erfahrung werden.
Auffällig ist die Tatsache, daß er als Transzendentalphilosoph ohne konkrete Beispiele arbeitet, d. h., er sagt nichts über die Gegenstände aus, sondern über die Art und Weise wie sie in unserer Wahrnehmung zustande kommen. Wichtig dabei ist Kants Feststellung, daß Raum und Zeit Eigenschaften der Wahrnehmung sind.
Der Raum ist eine notwendige Vorstellung, a priori, die allen äußeren Anschauungen zum
Grunde liegt. Man kann sich niemals eine Vorstellung davon machen, daß kein Raum sei, ob man sich gleich ganz wohl denken kann, daß keine Gegenstände darin angetroffen werden. Er wird also die Bedingung der Möglichkeit der Erscheinungen, und nicht als eine von ihnen abhängende Bestimmung angesehen.
 
Die Zeit ist eine notwendige Vorstellung, die allen Anschauungen zum Grunde liegt. Man
kann in Ansehung der Erscheinungen überhaupt die Zeit selbsten nicht aufheben, ob man zwar ganz wohl die Erscheinungen aus der Zeit wegnehmen kann. Die Zeit ist also apriori gegeben.
In ihr allein ist alle Wirklichkeit der Erscheinungen möglich.
 
Um Kants Formbegriff greifbarer zu machen, könnte man auch das Synonym der
Formatierung verwenden, da sich somit besser nachvollziehen läßt, daß Kant davon ausgeht, daß Form das ist, wie wir Wahrnehmung ordnen und daß Form a priori gegeben ist und damit die Voraussetzungen darstellt, die das empirische zum transzendentalen Subjekt macht.