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Mittwoch, 12. Juli 2023
Philosophie des Wartens
Ein Impuls, der mich angesprochen hat - Warten und geschehen-lassen.
Kleine Philosophie des Wartens
Timo Reuter veröffentlicht am 11 Juli
2023
Rote Ampeln,
lange Schlangen an der Kasse – die täglichen Zwangspausen wollen wir am
liebsten abschaffen. Dabei könnten sie ein Sandkorn im Getriebe der permanenten
Verwertungsmaschinerie sein. Und ein Tor zur Philosophie.
Wir
tun es ständig, im Starkregen oder in der prallen Sonne, im Morgengrauen und am
Abend. Wir warten – auf den nächsten Bus oder eine kurze Nachricht, auf die
große Liebe und auf das Ende einer Krise. Obwohl der Aufschub omnipräsent ist,
wird er gerne verflucht und verdrängt. Wir halten die Warterei nämlich nicht
nur für einen unbedeutenden, sondern auch für einen äußerst unangenehmen
Zustand. Laut einer Studie aus dem Jahre 2016 sind die kleinen Zwangspausen im
Alltag für die Deutschen das Feindbild Nummer 1. Über 55 Prozent regen sich
darüber auf – das Warten ist damit ein noch größeres Ärgernis als etwa die
Unfreundlichkeit anderer Menschen.
Es
ist eine ziemlich absurde Situation: Ständig hetzen wir gestresst vom einen zum
nächsten und sehnen uns deshalb nach kaum etwas so sehr wie nach Ruhe – doch
gerade dann, wenn wir Zeit zum Innehalten hätten, steigen Frust oder Wut in uns
auf. Ob an Bahnhöfen oder Bushaltestellen, im Wartezimmer oder an der
Supermarktkasse, das Warten geht uns so sehr gegen den Strich, dass wir dabei
das vielleicht Wertvollste, was wir haben, am liebsten „totschlagen“ wollen:
die Zeit. Wie kann das sein?
PRODUKTIVER
ZWISCHENRAUM
Nun,
wenn wir warten müssen, spüren wir Ohnmacht. Wir sind dann höheren Mächten,
arroganten Chefinnen oder unwillige Bürokraten ausgeliefert. Dazu kommt die
Ungewissheit, wann es endlich weitergeht. Dabei wollen wir doch selbst über
unsere Zeit bestimmen – gerade, weil wir so wenig davon zu haben scheinen.
Während die Welt also immer schneller wird und wir immer mehr erledigen und
erleben wollen, sollen wir einfach tatenlos am Bahngleis stehen? Unser Leben
ist heute auf die sofortige Bedürfnisbefriedigung ausgerichtet, das Warten
indes haben wir längst verlernt – mit fatalen Folgen.
Denn
dieser scheinbar unscheinbare Zustand ist in Wahrheit eine stille Kraft, die
Übergänge schafft. Es ist die Zeit zwischen unseren Erwartungen und ihrer
Erfüllung. Der Prozess, in dem etwas wird, was es ist. Nicht nur würziger Käse
oder guter Wein wollen in Ruhe reifen, ebenso müssen Liebe oder Freundschaft
erst gedeihen. Und auch wer komplexe Sachverhalte begreifen will, muss vor
allem beharrlich bleiben – schnelles Denken und überstürztes Handeln hingegen
sind enorm fehleranfällig, das wusste der Philosoph Georg Wilhelm
Friedrich Hegelbereits vor über 200 Jahren: „Die
Ungeduld“, schrieb er in seiner Phänomenologie des Geistes,
„verlangt das Unmögliche, nämlich die Erreichung des Ziels ohne die
Mittel.“
Zu
warten hingegen bedeutet, auch mal zurückzustecken. Doch das ist in einer Welt,
in der alles immer weiter wachsen soll, beinahe undenkbar geworden. Der
Klimawandel und das Artensterben sind die offensichtlichen Konsequenzen dieser
beschleunigten Ausbeutung, die der Natur keine Zeit zur Regeneration lässt.
Aber auch anderswo macht sich die fehlende Geduld bemerkbar – etwa in unserer
Kommunikation. Denn erst die bedeutungsschwangere Pause zwischen der Botschaft
und ihrem verzerrten Echo lässt uns Raum für unsere Fantasie sowie zum
wirklichen Verstehen des Gesagten. Ebenso kann eine Entschuldigung ihre Wirkung
nur entfalten, wenn man damit etwas wartet – und bereit ist, auch komische
Gefühle auszuhalten. Natürlich will niemand sein Glück ewig aufschieben. Doch
nur wer warten kann, ist überhaupt in der Lage, Vorfreude zu empfinden. Sie ist
das Wohlgefühl der Geduldigen, nicht bloß im Advent oder während der
Schwangerschaft. Auf etwas hinzufiebern trägt auch im Alltag ein Glücksversprechen
in sich. Und das Verlangen kann sogar gesteigert werden, indem wir es
hinauszögern.
KONSUMIEREN
ALS ABWEHRMECHANISMUS
Kurzum:
Das Warten ist ein fester Bestandteil des Lebens und markiert den Übergang vom
Alltäglichen zum Existenziellen. Gemeint ist nicht nur das bange Warten auf
eine Aufenthaltsgenehmigung oder ein Spendeorgan, sondern auch die banale Pause
am Bahngleis. Dort kann sich das Tor zur Philosophie öffnen. Solange wir
nämlich im Tun aufgehen, tritt die Zeitlichkeit unseres Daseins in den
Hintergrund. Beim Warten ist das anders: Wenn der gewohnt schnelle Fluss der
Ereignisse stockt, hören wir plötzlich das Ticken der Uhr. Doch wenn die Zeit
vergeht, dann vergehen auch wir, wie schon der Philosoph Henri Bergson wusste. Der kleine Aufschub erinnert uns also an
unsere Endlichkeit – und konfrontiert uns mit den tiefen Fragen unseres Seins.
Nicht ohne Grund hat die Existenzphilosophie alltägliche Stimmungen wie Ekel,
Angst oder eben Langeweile als Fenster zu unserem Dasein auserkoren.
Und
so beginnt auch die Philosophie Martin Heideggers an einem Provinzbahnhof, beim Warten auf den Zug. Dieser
Zustand lässt uns die Zeit fühlen – und wie sie uns durch die Finger rieselt.
Nun haben wir zwei Möglichkeiten: Wir nehmen ein Magazin in die Hand oder
besser noch unser Smartphone. Wir rennen davon, auch wenn wir stehen bleiben.
Wir konsumieren, damit die Zeit uns nicht konsumiert, wie der
Literaturwissenschaftler Harold Schweizer notiert. Die Folge: Wir verdrängen
das Warten – und empfinden es doch als höchst unangenehm. Oder aber wir stellen
uns der Leere und können so einen Stein ins Rollen bringen – um letztlich durch
tiefe Reflexion zu uns selbst zu finden: Wie will ich meine Zeit verbringen?
Und auf was möchte ich wirklich warten?
Bei
genauerem Betrachten ist das Warten also keinesfalls so unbedeutend, wie wir
zunächst glauben. Diese Lücke zwischen jetzt und später ist vielmehr eine Art
Taschenspiegel der Verhältnisse, in denen wir leben. Nicht nur die chronische
Zeitnot unserer Epoche oder unsere Angst vor dem Tod zeigen sich dort – das
Warten selbst ist, wie der Soziologe Pierre Bourdieu fand, „eine hervorragende Weise, Macht und die
Verbindung zwischen Zeit und Macht zu schmecken“. Nicht selten müssen Menschen
ausharren, weil andere es so wollen: Schon an den Höfen ägyptischer Pharaonen
hat sich mancher Bote zu Tode gewartet. Und noch heute kann der Chef seine
Angestellten hinhalten – umgekehrt aber droht die Kündigung.
WARTEN UND
MACHT
Die
gesellschaftliche Verteilung der Wartezeiten ist ein Gradmesser der
Ungleichheit. Das zeigt sich vor allem vor den Ämtern und Tafeln, auf der
Ausländerbehörde oder dem Arbeitsamt: Das lange, existentielle Warten wird
meist den ohnehin schon Marginalisierten zugemutet. Wer hingegen über genügend
Kleingeld verfügt, braucht sich nicht vorzudrängen – denn für die Reichen gibt
es oft eigene Schalter. Obwohl Rosa Luxemburg also meinte, Geduld sei „die
Tugend der Revolutionäre“, ist es nicht immer ratsam zu warten. Das gilt
gleichfalls etwa für die Herausforderungen in der Klimakrise.
Andererseits
können unverhoffte Pausen aber auch ein Geschenk sein. Weil der Bus sowieso
kommt, wann er will, könnten wir die Wartezeit als Sandkorn im Getriebe der
permanenten Verwertungsmaschinerie begreifen. Als Chance, einmal tief
durchzuatmen oder uns von Tagträumen davontragen zu lassen. Wir sind es
heutzutage gewohnt, dass immer etwas passiert – aber zum Glück des Menschen
gehört eben nicht nur das aktive, sondern auch das beschauliche Dasein. Was
würde also näher liegen, als beim Warten auch mal nichts zu tun und so die
Kräfte wieder zugunsten von Kontemplation und kreativer Entfaltung zu
verschieben? Oder, wie es die Expressionistin Paula Modersohn-Becker
ausdrückte: „Man muss nur warten können, das Glück kommt schon.“
IM LEERLAUF
ZUM GLÜCK?
Natürlich
hat nicht jede:r dazu die Möglichkeit – denn Langsamkeit ist auch ein
(ökonomisches) Privileg. Sie kann zudem nur gelingen, wenn nicht ständig das
Smartphone klingelt. Wer aber den pausenlosen Übersprungshandlungen widersteht,
bekommt die Gelegenheiten, einfach Löcher in die Luft zu starren und dabei in
die Welt hinauszuhorchen. Der Philosoph Friedrich
Nietzsche hielt die Langeweile für „jene unangenehme
‚Windstille‘ der Seele, welche der glücklichen Fahrt und den lustigen Winden
vorangeht“. Wer den Leerlauf erträgt und die Wüste des Wartens durchschreitet,
kann also die Oase der Muße erreichen. Und wer den Mut aufbringt, Fremde am
Bahnhof anzusprechen, kann die Vereinzelung überwinden und den Wartesaal zum
Möglichkeitsraum zufälliger Begegnungen machen. Aber haben wir dazu überhaupt
genügend Zeit?
Es
ist schon paradox: Wir leben doppelt so lange wie vor 150 Jahren und wir
arbeiten pro Woche nur noch die Hälfte – und doch scheinen wir keine Zeit mehr
zu haben. Der Grund ist denkbar simpel: Wir pressen immer mehr in unseren Tag
hinein und wollen bloß keine Sekunde vergeuden. Doch diesen manischen Wettlauf
können wir nur verlieren. All das wird in kaum einer Situation so deutlich wie
beim Warten. Nicht etwa diese kleinen Zwangspausen rauben uns also unsere Zeit,
sondern das hohe Tempo. Vielleicht ist es ja sogar so, dass uns das Warten die
verlorene Zeit wiederbringen kann. Zumindest aber bringt es uns uns selbst
näher – wenn wir uns darauf einlassen und den Augenblick warten, also: pflegen.
•
Dienstag, 14. März 2023
Husserls Phänomenologie Dialog mit chatgpt
Wie definiert Edmund Husserl Phänomenologie?
Sicher, ich kann Ihnen erklären, wie Edmund Husserl die
Phänomenologie definiert hat.
Edmund Husserl (1859-1938) war ein deutscher Philosoph und
der Begründer der Phänomenologie, einer philosophischen Methode, sterben sich
auf die Erforschung und Beschreibung der Erscheinungen oder Phänomene
konzentriert, sterben im menschlichen Bewusstsein.
Husserl definiert Phänomenologie als eine Methode, die
darauf abzielt, die Dinge selbst in ihrer ursprünglichen Erscheinung zu
erfassen und zu beschreiben. Das bedeutet, dass Phänomenologie sich auf die
direkte und unvoreingenommene Wahrnehmung von Erscheinungen konzentriert, ohne
vorgefasste Meinungen oder Vorurteile. Der Fokus liegt auf der Erfahrung selbst
und nicht auf der Analyse von Ursachen, Bedingungen oder Auswirkungen.
Husserl betonte auch, dass Phänomenologie eine
"reine" Methode ist, sterben sich auf das Studium der reinen
Erscheinungen konzentriert, sterben frei von jeglicher Theorie oder Vorannahme
sind. Das Ziel der Phänomenologie ist es, die Bedeutung und Struktur dieser
reinen Erscheinungen zu erfassen und zu beschreiben, um so das Wesen der
Wirklichkeit zu verstehen.
Insgesamt kann man sagen, dass für Husserl die
Phänomenologie eine Methode der Erforschung und Beschreibung der Erfahrungen
ist, die sich auf die direkte Wahrnehmung von Erscheinungen konzentriert und
darauf abzielt, das Wesen der Wirklichkeit zu verstehen.
Und was versteht Husserl unter Intentionalität?
Für Husserl ist Intentionalität ein zentrales Konzept in der
Phänomenologie. Er versteht darunter die Eigenschaft des menschlichen
Bewusstseins, sich auf etwas zu richten oder auf etwas zu beziehen.
Das bedeutet, dass jede mentale Aktivität oder Erfahrung in
der Phänomenologie eine intentionale Struktur hat, weil sie sich immer auf
etwas bezieht. Wenn wir etwas wahrnehmen, denken oder fühlen, dann beziehen wir
uns immer auf ein Objekt oder einen Gegenstand erleben, den wir als Teil
unserer Erfahrung.
Husserl betont, dass diese intentionale Struktur ein
grundlegender Aspekt des menschlichen Bewusstseins ist und dass sie uns
ermöglicht, die Welt um uns herum zu verstehen und zu erfahren. Er betont auch,
dass die Intentionalität eine aktive und produktive Rolle im menschlichen
Bewusstsein spielt, weil sie uns erlaubt, neue Bedeutungen und Zusammenhänge zu
entdecken und unser Wissen und unsere Erfahrung zu erweitern.
In der Phänomenologie ist die Intentionalität auch ein
zentraler Aspekt, der es uns ermöglicht, die Erfahrungswelt zu verstehen und zu
beschreiben. Sie ist eine intelligente Eigenschaft des menschlichen
Bewusstseins und spielt eine wichtige Rolle in der Erforschung und Beschreibung
von Erscheinungen oder Phänomenen.
Was ist für Husserl ein Phänomen?
Für Husserl ist ein Phänomen alles, was in unserem
Bewusstsein als Erscheinung oder Erfahrung gegeben ist. Ein Phänomen kann alles
sein, was wir wahrnehmen, denken, fühlen oder uns vorstellen können. Es umfasst
daher eine Vielzahl von Erscheinungen wie Sinneswahrnehmungen, Gedanken,
Emotionen, Erinnerungen und Vorstellungen.
Husserl betont jedoch, dass Phänomene nicht einfach als
„Dinge“ oder „Objekte“ verstanden werden sollten, die unabhängig von unserem
Bewusstsein existieren. Stattdessen sind Phänomene immer in unserer
Erfahrungswelt begründet und werden von uns als Teil unserer Erfahrung erlebt.
Daher konzentriert sich sterben Phänomenologie auf die
unmittelbare und direkte Erforschung dieser Erscheinungen oder Phänomene, ohne
vorgefasste Meinungen oder Theorien. Das Ziel ist es, die Struktur und
Bedeutung dieser Phänomene zu erfassen und zu beschreiben, um so das Wesen der
Wirklichkeit zu verstehen.
Zusammenfassend können wir sagen, dass für Husserl ein
Phänomen alles IST, was in unserem Bewusstsein als Erscheinung oder Erfahrung
gegeben IST und dass die Phänomenologie sich auf die Erforschung und
Beschreibung dieser Phänomene konzentriert, um das Wesen der Wirklichkeit zu
verstehen.
Gibt es eine Verbindung zwischen Phänomenologie und
Theologie?
Ja, es gibt eine Verbindung zwischen Phänomenologie und
Theologie, insbesondere im Bereich der Philosophie der Religion. Viele
Philosophen und Theologen haben sich mit der Phänomenologie auseinandergesetzt
und sie als eine wissenschaftliche Methode für die Erforschung religiöser
Erfahrungen und Phänomene angesehen.
Ein Beispiel hierfür ist der französische Philosoph und
Theologe Jean-Luc Marion, der in seinen Werken die Phänomenologie auf die
Erforschung der Beziehung zwischen Mensch und Gott angewendet hat. Er
argumentiert, dass die Phänomenologie eine Methode ist, die es ermöglicht, die
Kunst und Weise zu verstehen, in der sich das Transzendente oder Göttliche im
menschlichen Bewusstsein manifestiert.
Ein weiterer wichtiger Vertreter der phänomenologischen
Theologie ist der deutsche Theologe Rudolf Otto, der in seinem Werk „Das
Heilige“ die Erfahrung des Heiligen als Ein Phänomen untersucht, das in allen
Religionen vorkommt.
Darüber hinaus hat Husserl selbst in seinen späten Schriften
die Bedeutung der Phänomenologie für die Erforschung religiöser Erfahrungen
betont. Er argumentierte, dass die Phänomenologie eine Methode ist, die es
ermöglicht, die Beziehung zwischen dem Transzendenten und dem menschlichen
Bewusstsein zu verstehen.
Insgesamt kann man sagen, dass die Phänomenologie eine
wichtige Methode für die Erforschung religiöser Erfahrungen und Phänomene ist
und dass sie von vielen Philosophen und Theologen auf diesem Gebiet genutzt
wird.
Wie hat Martin Heidegger Husserl und seine Phänomenologie aufgenommen?
Martin Heidegger war einer der Schüler von Edmund Husserl
und hat seine Philosophie und Methode der Phänomenologie übernommen und
weiterentwickelt. Allerdings hat Heidegger Husserls Phänomenologie später
kritisch hinterfragt und seine eigene Interpretation und Weiterentwicklung
vorgestellt.
Heidegger betonte, dass die Phänomenologie nicht nur eine
Methode zur Beschreibung von Erscheinungen oder Phänomenen sei, sondern dass
sie auch eine Ontologie oder Lehre vom Sein beinhalte. In seiner frühen Phase
beschäftigte sich Heidegger mit der Frage nach dem Sinn des Seins, und er
betrachtete die Phänomenologie als ein Werkzeug, um die Grundlagen des Seins
selbst zu erforschen.
Heidegger führt die Phänomenologie weiter aus, indem er das
Konzept des „Daseins“ einführt, das er als die menschliche Existenz verstand.
Das Dasein sei nach Heidegger das Wesen des Menschen und damit der
Ausgangspunkt für jede Philosophie. Das Dasein sei aber nicht einfach nur ein
Objekt, das in der Welt existiert, sondern es sei durch seine Existenz als eine
offene und dynamische Beziehung zur Welt geprägt.
In Heideggers späteren Werken kritisierte er jedoch Husserls
Phänomenologie, da er sie als zu theoretisch und abstrakt betrachtete. Er
argumentierte, dass die Phänomenologie zu sehr auf die Beschreibung von
Erscheinungen konzentriert sei und nicht in der Lage sei, das Wesen der
Wirklichkeit und des Seins selbst zu erfassen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Heidegger Husserls
Phänomenologie aufgenommen, weiterentwickelt und auch Kritiken hat. Er betonte,
dass die Phänomenologie nicht nur eine Methode zur Beschreibung von
Erscheinungen sei, sondern auch eine Ontologie oder Lehre vom Sein beinhalte.
Heidegger hat jedoch später kritisiert, dass die Phänomenologie zu abstrakt und
theoretisch sei, um das Wesen der Wirklichkeit und des Seins selbst zu
erfassen.
Gibt es weitere Philosophien, die die Phänomenologie von
Edmund Husserl fortführten
Ja, es gibt viele Philosophen, sterben die Phänomenologie
von Edmund Husserl aufgegriffen und erweitert haben. Einige der wichtigsten
sind:
Maurice Merleau-Ponty: Er war ein französischer Philosoph,
die Phänomenologie Husserls greift auf und sie um den Aspekt des Körpers und
der Wahrnehmung erweitert. Er betonte, dass die Wahrnehmung eine direkte
Erfahrung des Körpers in der Welt sei, und dass die phänomenologische Methode
es ermögliche, die Erfahrung des Körpers und der Welt genauer zu verstehen.
Jean-Paul Sartre: Sartre war ein französischer
Existenzialist und Schüler von Husserl. Er wendet die Phänomenologie weiter an,
indem er sie auf die menschliche Existenz anwendete und betonte, dass die
Existenz eine historische und unveränderliche Eigenschaft des Menschen sei. Er
argumentierte, dass die phänomenologische Methode es ermögliche, die Existenz
des Menschen in der Welt zu verstehen und die Bedeutung von Freiheit und zu
Verantwortung zu erfassen.
Emmanuel Levinas: Levinas war ein französischer Philosoph,
der die Phänomenologie von Husserl und Heidegger aufgreift, aber sie um den
Aspekt der Ethik und Verantwortung erweitert. Er betonte, dass die
phänomenologische Methode es ermögliche, die Beziehung zwischen dem Selbst und
dem Anderen zu verstehen und dass die Ethik eine wesentliche Komponente der
menschlichen Existenz sei.
Paul Ricoeur: Ricoeur war ein französischer Philosoph, der
die Phänomenologie von Husserl und Heidegger aufgreift, aber sie um den Aspekt
der Sprache und der Interpretation erweitert. Er betonte, dass die
phänomenologische Methode es ermögliche, die Bedeutung von Sprache und
Interpretation für die menschliche Erfahrung zu verstehen und dass die
Interpretation eine Rolle in der menschlichen Existenz spielt.
Diese Philosophen und viele andere haben die Phänomenologie
von Husserl aufgegriffen und erweitert, indem sie auf verschiedene Bereiche der
menschlichen Erfahrung und der Philosophie angewendet haben.
Hat Derrida die Phänomenologie von Husserl aufgegriffen?
Ja, Jacques Derrida hat die Phänomenologie von Husserl in
seinem Werk aufgegriffen, allerdings hat er sie auf sehr kritische und
subversive Weise interpretiert und erweitert.
Derrida gilt als einer der Begründer der Dekonstruktion,
einer philosophischen Bewegung, sterben die Vorstellungen von Bedeutung,
Wahrheit und Identität kritisch hinterfragt. In seiner frühen Arbeit hat
Derrida die Phänomenologie von Husserl aufgegriffen und insbesondere Husserls
Konzept der Intentionalität in Frage gestellt.
Derrida argumentierte, dass Husserls Phänomenologie trotz
ihrer Bestrebungen, die Sprache und Zeichen in der Bedeutung von menschlicher
Erfahrung zu verstehen, nicht in der Lage sei, den wesentlichen Aspekt der
Sprache als ein systematisches Spiel von Zeichen und Bedeutungen zu erfassen.
Stattdessen betonte Derrida, dass Sprache und Zeichen stets von Einem System
von Differenzen und Widersprüchen geprägt seien, sterben sterben Bedeutungen
und Identitäten der Dinge kontinuierlich in Frage stellten.
Derrida kritisierte auch die Idee der reinen Präsenz, die
Husserls Phänomenologie zu Grunde liegt. Er betonte, dass jede Präsenz auch
durch Abwesenheit erreichen und Differenz definiert werde, und dass es keine
Möglichkeit gebe, eine absolute und unveränderliche Bedeutung oder Identität
zu.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Derrida die
Phänomenologie von Husserl aufgegriffen hat, um sie zu kritisieren und zu
subvertieren. Er hat insbesondere Husserls Konzept der Intentionalität kritisch
hinterfragt und betont, dass Bedeutungen und Identitäten stets von einem System
von Differenzen und Widersprüchen geprägt sind.
Wenn ich die Grundgedanken von Husserl darstellen will, wie
soll ich vorgehen?
Wenn Sie die Grundgedanken von Husserl darstellen möchten,
können Sie wie folgt vorgehen:
Beschreiben Sie Husserls Ziel: Husserl wollte eine „reine
Phänomenologie“ entwickeln, die es ermöglicht, die Welt so zu erfassen, wie sie
uns direkt gegeben ist, ohne dass wir von Vorurteilen oder Theorien beeinflusst
werden.
Erklären Sie Husserls Methode: Husserls Methode besteht
darin, sich auf die unmittelbaren Erfahrungen zu konzentrieren, die wir von der
Welt haben. Er wollte diese Erfahrungen genau untersuchen, um zu verstehen, wie
wir die Welt erfahren und was uns dazu befähigt war.
Betonen Sie Husserls Konzept der Intentionalität: Husserl
betonte, dass jede mentale Aktivität auf ein Objekt gerichtet ist und dass die
Bedeutung des Objekts von der Kunst und Weise bestimmt ist, wie wir es
wahrnehmen und interpretieren.
Erklären Sie Husserls Konzept der Evidenz: Husserl betonte,
dass unsere Erfahrungen uns eine unmittelbare „Evidenz“ für die Existenz und
Eigenschaften von Dingen geben, die wir wahrnehmen. Er glaubte, dass diese
Evidenz die Basis für jede weitere Erkenntnis ist.
Beschreiben Sie Husserls Konzept der Epoche: Husserl
forderte, dass wir unsere Vorurteile und Theorien aussetzen, um eine „Epoche“
zu erreichen, eine Art von Aussetzung unseres Wissens und Urteilsvermögens. Nur
durch die Epoche können wir die Welt so sehen, wie sie wirklich ist.
Betonen Sie Husserls Ideal der Wissenschaftlichkeit: Husserl
glaubte, dass seine Methode und seine Konzepte eine wissenschaftliche Disziplin
ermöglichen würden, die auf klaren und präzisen Prinzipien beruht und die
Grundlage für eine objektive Erkenntnis der Welt bildet.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Husserl eine Methode
der „reinen Phänomenologie“ entwickelt hat, die sich auf die unmittelbaren
Erfahrungen konzentriert und auf das Konzept der Intentionalität, der Evidenz
und der Epoche beruht. Sein Ziel war es, eine wissenschaftliche Disziplin zu
schaffen, die auf der genauen Analyse von Erfahrungen und der Untersuchung der
Bedeutung von Objekten basiert.
Was bedeutet bei Husserl epoche und evidenz?
Die Begriffe "Epoché" und "Evidenz" sind
zentrale Konzepte in der Philosophie von Edmund Husserl.
„Epoche“ ist ein Begriff, der aus dem Griechischen stammt
und wörtlich „Aussetzung“ bedeutet. In der Philosophie von Husserl bezieht sich
die Epoche darauf, dass wir unsere Urteile und Theorien über die Welt aussetzen
oder suspendieren sollten, um eine unvoreingenommene Betrachtung der Phänomene
zu ermöglichen. Durch die Aussetzung unserer Urteile und Theorien können wir
uns auf das konzentrieren, was direkt in unseren Erfahrungen gegeben ist. Das
Ziel der Epoche ist es, die Objektivität unserer Betrachtung sicherzustellen,
indem wir uns von voreingenommenen Annahmen lösen.
"Evidenz" bezieht sich auf die unmittelbare
Selbstgegebenheit oder Selbstevidenz von Dingen und Phänomenen in der Welt.
Husserl betonte, unmittelbar dass unsere Erfahrungen eine Art von Evidenz
liefern, sterben uns zeigt, dass es Dinge und Phänomene in der Welt gibt.
Evidenz bezieht sich auch darauf, dass die Dinge und Phänomene in der Welt uns
in unseren Erfahrungen gegeben sind und dass wir sie unmittelbar wahrnehmen
können. Die Evidenz ist damit die Grundlage für jede weitere Erkenntnis.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Epoche eine Methode
darstellt, um unsere Urteile und Theorien auszusetzen und so eine
unvoreingenommene Betrachtung der Phänomene zu ermöglichen, while die Evidenz
sich auf die unmittelbare Selbstgegebenheit oder Selbstevidenz von Dingen und
Phänomenen bezieht, die wir in unseren Erfahrungen erfahren .
Hat Husserl auch die Frage nach der Stellung der Zeit ,
Zeitkonstitution bearbeitet?
Ja, die Frage nach der Stellung und Konstitution der Zeit
war ein wichtiger Teil von Husserls Philosophie. Husserl betrachtete die Zeit
als ein grundlegendes Element unserer Erfahrungswelt und untersuchte die Kunst
und Weise, wie wir Zeit erleben und wie wir zeitliche Strukturen in der Welt
konstituieren.
Husserl betrachtete die Zeit als eine Art andauernden Strom
von Erfahrungen und betonte, dass unsere Erfahrungen in der Zeit strukturiert
sind. Er verfolgt das Konzept der "zeitlichen Horizonte", sterben die
Kunst und Weise darstellen, wie unsere Erfahrungen aufeinander bezogen sind und
wie sie in der Zeit strukturiert sind. Diese zeitlichen Horizonte ermöglichen
uns, uns an die Vergangenheit zu erinnern, die Gegenwart zu erleben und uns auf
die Zukunft zu eröffnen.
Husserl betonte auch, dass die Zeit nicht einfach als eine
unabhängige oder vorgegebene Entität in der Welt existiert, sondern dass sie
durch unsere Erfahrungen und unsere Aktivität konstituiert wird. Zeitliche
Strukturen entstehen demnach durch unsere Wahrnehmungen und Handlungen und sind
nicht unabhängig von uns gegeben.
In der Phänomenologie von Husserl spielt die Zeit auch eine
zentrale Rolle, da sie eine fundamentale Struktur unserer Erfahrungswelt
darstellt und sich auf die Kunst und Weise auswirkt, wie wir die Welt
wahrnehmen und verstehen.
Wo finde ich bei Husserl seine Gedanken über die Zeit und
gibt es Kommentare dazu?
Die Gedanken von Husserl zur Zeit finden sich in seinen
verschiedenen Schriften, insbesondere in seinen späteren Werken. Einige der
wichtigsten Schriften, in denen sich Husserl mit der Frage nach der Zeit
auseinandersetzt, sind:
"Die Bernauer Manuskripte" (1917-1918)
"Formale und transzendentale Logik" (1929)
„Die Krise der europäischen Wissenschaften und die
transzendentale Phänomenologie“ (1936)
"C-Manuskripte" (1938)
In diesen Schriften beschäftigt sich Husserl mit
verschiedenen Aspekten der Zeit, wie zum Beispiel der Zeitkonstitution, der
Struktur der Zeit, der Rolle der Zeit in der Erfahrungswelt und der Beziehung
zwischen Zeit und Bewusstsein.
Es gibt auch viele Kommentare und Interpretationen zu den
Gedanken von Husserl zur Zeit, da diese ein wichtiger Teil seiner Philosophie
sind. Einige Kommentatoren und Philosophen, die sich mit Husserls
Zeitphilosophie auseinandergesetzt haben, sind zB Dermot Moran, James Mensch,
Dan Zahavi, Rudolf Bernet und Nicolas de Warren. Wenn Sie sich für eine
vertiefte Auseinandersetzung mit Husserls Zeitphilosophie interessieren, können
Sie sich an diesen Werken orientieren.
Besonders Dan Zahavi?
Dan Zahavi ist ein dänischer Philosoph, der sich intensiv
mit Husserls Phänomenologie auseinandergesetzt hat, einschließlich seiner
Gedanken zur Zeit. Zahavi hat zahlreiche Artikel und Bücher zu Husserls
Philosophie und der Phänomenologie im Allgemeinen verfasst, darunter
"Husserl's Phenomenology" (2003), "Phenomenology: The
Basics" (2007) und "Husserl and Transcendental
Intersubjectivity" (2014).
In Bezug auf Husserls Zeitphilosophie hat Zahavi
insbesondere auf Husserls Konzept der "zeitlichen Horizonte"
hingewiesen. Zahavi betont, dass Husserl die Zeit nicht einfach als eine
fortlaufende Abfolge von Momenten betrachtet, sondern als ein Netzwerk von
zeitlichen Strukturen, die sich in der Erfahrungswelt manifestieren. Diese
zeitlichen Strukturen bilden Horizonte, sterben die Kunst und Weise darstellen,
wie unsere Erfahrungen aufeinander bezogen sind und wie sie in der Zeit
strukturiert sind.
Zahavi hat auch auf die Bedeutung von Husserls Konzept der
„Retention“ hingewiesen, das die Kunst und Weise darstellt, wie wir uns an
vergangene Erfahrungen erinnern. Diese Retentionen sind für Husserl ein
wesentlicher Bestandteil der zeitlichen Strukturierung unserer Erfahrungen und
sind Teil dessen, was er als "zeitliches Bewusstsein" bezeichnet.
Insgesamt betont Zahavi, dass Husserls Zeitphilosophie eine
zentrale Rolle in seiner Philosophie spielt und eng mit seinen anderen Gedanken
zur Phänomenologie und zur Konstitution der Welt verbunden ist.
Husserls Zeitphilosophie und Retention?
Husserls Zeitphilosophie ist ein zentrales Thema in seiner
Phänomenologie, da sie eng mit seiner Untersuchung der Struktur des
Bewusstseins verbunden ist. Husserl beschäftigt sich dabei nicht nur mit der
Frage, wie die Zeit im Bewusstsein bekannt wird, sondern auch damit, wie sie
konstituiert wird.
Eine zentrale Rolle in Husserls Zeitphilosophie spielen
dabei die Begriffe „Retention“ und „Protention“. Husserl betont, dass das
Bewusstsein in jeder Erfahrung nicht nur gegenwärtige Objekte wahrnimmt,
sondern auch den unmittelbaren Moment und den zukünftigen Moment
"protendiert", also antizipiert. Die Retention dagegen bezeichnet das
Vermögen des Bewusstseins, die gerade vergangene Erfahrung gegenwärtig zu
halten, um sie in der Gegenwart zu reflektieren.
Für Husserl ist die Retention ein zentrales Element der
zeitlichen Strukturierung unserer Erfahrungen. Er betont, dass die Retention es
uns ermöglicht, die Vergangenheit in der Gegenwart gegenwärtig zu halten und
uns an vergangene Erfahrungen zu erinnern. Dabei geht es nicht nur um eine Art
"Speicherung" von vergangenen Erlebnissen, sondern auch um eine
Rekonstruktion der Vergangenheit im Licht unserer gegenwärtigen Erfahrung. Die
Retention ist somit Teil eines fortlaufenden Prozesses der Sinngebung und
Bedeutungskonstitution, der über die Zeit hinweg stattfindet.
Husserls Untersuchung der Zeitstruktur des Bewusstseins und
insbesondere der Rolle der Retention hat einen großen Einfluss auf die
Philosophie des 20. Jahrhunderts gehabt. So hat zB Maurice Merleau-Ponty, einer
der wichtigsten Schüler von Husserl, die Rolle der Retention in seiner eigenen
Phänomenologie betont und erweitert. Auch andere Philosophen wie Jean-Paul
Sartre, Martin Heidegger und Jacques Derrida haben sich mit der Zeitphilosophie
von Husserl auseinandergesetzt und ihre eigenen Konzepte der Zeit und der
Retention entwickelt.
Spielt bei Heidegger Retention und Protention auch eine
Rolle?
Ja, auch bei Heidegger spielt die Frage nach der Zeit eine
zentrale Rolle, und er nimmt dabei Bezug auf Husserls Konzepte der Retention
und Protention. Allerdings geht Heidegger mit diesen Begriffen anders um als
Husserl.
Für Heidegger ist die Zeit keine abstrakte Größe, sondern
ein grundlegendes Phänomen, das unsere Existenz und unser Verhältnis zur Welt
prägt. Im zu Husserl betont Heidegger, dass die Zeit nicht nur eine Struktur
des Bewusstseins ist, sondern dass sie die Bedingung dafür ist, dass überhaupt
ein Bewusstsein entstehen kann. Heidegger spricht dabei von der „Zeitlichkeit“
des Daseins, die sich in drei Momenten vollzieht: der Vergangenheit
(Gewesenheit), der Gegenwart (Gegenwärtigung) und der Zukunft (Erwartung).
Auch bei Heidegger spielen Retention und Protention eine
wichtige Rolle, allerdings bezeichnet er diese Phänomene mit anderen Begriffen.
Heidegger spricht von „Vorlaufen“ und „Nachlaufen“, um zu beschreiben, wie
unser Verhältnis zur Zeit funktioniert. Das Vorlaufen bezieht sich dabei auf
unsere Erwartungen und unser Streben nach der Zukunft, während das Nachlaufen
die Kunst und Weise, wie wir uns an die Vergangenheit erinnern und wie sie uns
in der Gegenwart beeinflusst.
Heideggers Konzept der Zeitlichkeit hat einen großen
Einfluss auf die Philosophie des 20. Jahrhunderts gehabt und wurde von vielen
anderen Philosophen aufgegriffen und verbreitet.
Wie steht Husserl zum Psychologismus?
Husserl steht sehr kritisch gegenüber dem Psychologismus,
der in der Philosophie des 19. Jahrhunderts weit verbreitet war. Der
Psychologismus betrachtete psychologische Phänomene wie Empfindungen,
Vorstellungen und Gedanken als die Grundlage für alle philosophischen Aussagen.
Husserl war der Ansicht, dass der Psychologismus zu einer Verwechslung von
psychologischen und logischen Kategorien führt und dass er die Möglichkeit
einer wissenschaftlichen Philosophie untergräbt.
Husserl war der Meinung, dass die Philosophie sich nicht mit
psychologischen Phänomenen, sondern mit den Bedingungen der Möglichkeit von
Wissen und Erkenntnis auseinandersetzen sollte. Dabei setzte er auf eine
strikte Methode der phänomenologischen Reduktion, die es erlaubt, von allen
Voraussetzungen und Vorurteilen abzusehen und die Dinge so zu betrachten, wie
sie sich unmittelbar im Bewusstsein zeigen.
In diesem Sinne wollte Husserl eine radikale Wende in der
Philosophie vollziehen und eine neue Wissenschaft begründen, die er
„Phänomenologie“ nannte. Die Phänomenologie sollte nicht nur eine Kritik des
Psychologismus bieten, sondern auch einen neuen Zugang zu den Dingen eröffnen,
der es erlaubt, sie in ihrer "reinen" Form zu betrachten, jenseits
aller vorgefassten Meinungen und Theorien.
Aber in späteren Zeiten hat er doch über die Lebenswelt
nachgedacht?
Ja, das stimmt. Obwohl Husserl sich in seinen frühen
Schriften vor allem auf logische und erkenntnistheoretische Fragestellungen
konzentrierte, wandte er sich später auch der Analyse der Lebenswelt zu. In
seinen späten Werken, insbesondere in den „Krisis“-Schriften, beschäftigt er
sich mit der Frage, wie die Lebenswelt als das „Ur-Feld“ aller Erfahrung und
Erkenntnis zu verstehen ist.
Für Husserl ist die Lebenswelt der Hintergrund, vor dem alle
Erfahrungen und Handlungen stattfinden. Es ist der Raum, in dem wir leben,
handeln, fühlen und denken. Dabei betont Husserl, dass die Lebenswelt nicht
einfach nur eine Sammlung von Dingen und Ereignissen ist, sondern dass sie von
Bedeutungen und Sinnstrukturen geprägt ist. Die Lebenswelt ist also kein rein
objektiver Bereich, sondern sie enthält auch subjektive und intersubjektive
Aspekte.
Husserl ist der Ansicht, dass eine deutliche notwendige
Analyse der Lebenswelt IST, um zu verstehen, wie Erkenntnis und Wissenschaft
überhaupt möglich sind. Er kritisiert dabei vor allem die naturalistische
Reduktion der Lebenswelt auf empirische Daten und betont, dass die Lebenswelt
als Ganzes betrachtet werden muss, um ihre Bedeutung für unsere Erfahrung und
Erkenntnis zu erfassen.
in diesem Zusammenhang versteht man dann unter einer
realistischen Phänomenologie
Eine realistische Phänomenologie ist ein Ansatz innerhalb
der Phänomenologie, der sich auf die Untersuchung der Phänomene in ihrer
tatsächlichen Erscheinung konzentriert und dabei eine realistische Ontologie
zugrunde legt. Anders als die transzendentale Phänomenologie von Husserl, die
sich auf die Untersuchung der Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis
konzentriert, versucht die realistische Phänomenologie, eine Beschreibung der Dinge
in ihrer konkreten Existenz zu geben.
Ein zentraler Begriff in der realistischen Phänomenologie
ist die Sachlichkeit der Phänomene, das heißt ihre Fähigkeit, sich in ihrer
konkreten Existenz zu zeigen, unabhängig von unseren Vorstellungen und
Theorien. Anders als bei der transzendentalen Phänomenologie wird dabei nicht
davon ausgegangen, dass die Phänomene durch unsere Bewusstseinsleistungen
konstituiert werden. Außerdem wird betont, dass die Phänomene eine eigene
Wirklichkeit haben, die es zu untersuchen gilt.
Die realistische Phänomenologie hat ihre Wurzeln in der
Philosophie von Martin Heidegger und Jean-Paul Sartre. Heidegger betonte die
Bedeutung der Erfahrung der Dinge in ihrer konkreten Existenz und betonte, dass
diese Erfahrung eine "Ur-Phänomen" der menschlichen Existenz
darstellt. Sartre betonte die Bedeutung der Freiheit des Individuums in der
Begegnung mit den Dingen.
Insgesamt geht es in der realistischen Phänomenologie darum,
eine Beschreibung der Dinge in ihrer tatsächlichen Existenz zu geben, ohne
dabei auf vorgefasste Theorien oder Vorstellungen zurückzugreifen. Dabei wird
davon ausgegangen, dass die Phänomene eine eigene Wirklichkeit haben, die es zu
untersuchen gilt.
Freitag, 3. März 2023
Philosophie aus Liebe zum Objekt!
Philosophie aus Liebe zum Objekt
Das große Draußen zwischen Natur und Kultur
"Jede Philosophie, die versucht, die Dinge in ihre Bedingungen zu zerlegen, damit sie erkannt und verifiziert werden können, ist ihres Namens unwürdig." (Graham Harman: The Third Table S. 12*)Das ist ein seltsamer Satz für einen Philosophen, der doch per Berufsbild auf der Suche nach der Wahrheit sein müsste. Was meint Graham Harman, der Philosoph der objektorientierten Philosophie damit? Philosophie, so Harman, sei nicht Wissen oder Weisheit, sondern Liebe zur Weisheit und damit ein fast erotisches, auf jeden Fall ästhetisches Konzept. Harman geht noch weiter, wenn er sagt, dass man das Wahre nicht kennen, sondern nur lieben könne. Was er damit meint, ist nicht, dass wir gar keinen Zugang zu den Dingen und der Wahrheit erhalten könnten, sondern nur, dass der Zugang immer indirekt bleibt.
Auch die Liebe zwischen Menschen lebt ja durch einen indirekten Zugriff auf den anderen. Wir stellen eine Nähe zueinander her und wollen den Abstand zueinander immer weiter verringern. Würde jedoch jeglicher Abstand verschwinden, würden wir unseren Partner vollkommen definieren oder konsumieren, so würde auch die Liebe verschwinden. Harmans objektorientierte Philosophie folgt dieser Bewegung der zunehmenden Nähe mit der gleichzeitigen Akzeptanz, dass uns der direkte Zugriff auf die Dinge vorenthalten bleibt. Am Ende führt ihn das von der Erkenntnistheorie in eine neue Verortung der Philosophie, ja in eine dritte Kultur, aber dazu später mehr.
Was ist da draußen, außerhalb unserer selbst? Natürlich ganz viele Objekte, Dinge und andere Lebewesen. Aber was wissen wir von diesen Dingen? Die Philosophie hat seit jeher ein Problem mit den Dingen. Nie sind sie direkt erreichbar, wir haben immer nur einen individuellen sinnlichen Zugriff auf sie oder eine physikalisch-mathematische Beschreibung. Als Beispiel: Ein Tisch ist für uns entweder die Summe der Eindrücke, die wir von ihm haben (seine raue oder glatte Oberfläche, der Holzgeruch, die warme Farbe) oder seine atomare Zusammensetzung, wie sie ein Physiker beschreiben würde. Was der "Tisch ansich" ist, lässt sich nicht klären. Oder doch?
Nach dem sogenannten "Lingusitic Turn", also der philosophischen Auffassung des 20. Jahrhunderts, dass jegliche Realität jenseits von Sprache unerreichbar sei, hat die Philosophie zu den Dingen gern geschwiegen, so als wollte sie sich an Wittgensteins Diktum halten, dass man darüber schweigen solle, worüber man nicht reden könne. Inzwischen gibt es philosophische Versuche, diese "Unhintergehbarkeit" der Welt der Erscheinungen aufzubrechen, indem nicht nur (anti-konstruktivistisch) behauptet wird, dass es eine Welt gibt, die unabhängig von unserer menschlichen Vorstellung von ihr existiert, sondern dass wir auch einen philosophischen Zugang zu ihr eröffnen können, einen indirekten, einen der Annäherung. Diese Versuche wurden zuletzt "Spekulativer Realismus" genannt oder auch "objektorientierte Philosophie" wie bei Graham Harman.
Kleiner Exkurs zur Erkenntnistheorie des spekulativen Realismus
Wir haben die zwei Beschreibungen des Tisches, die, wie er uns erscheint und die, wie ihn die Physik beschreibt. Die erste Beschreibung ist gar nicht die des Tisches, denn der Geruch des Tisches gehört ja zu mir als wahrnehmendem Wesen und nicht zum Tisch ansich. Der Tisch hat auch keine bestimmte Farbe, sondern immer nur die, in der er gerade mir als wahrnehmendem Subjekt erscheint und die Wahrnehmung ist immer abhängig vom gerade verfügbarem Licht oder meiner Wahrnehmungsfähigkeit (ich kann farbenblind sein oder eine Sonnenbrille aufhaben). Trotzdem muss der Tisch ja irgendwelche Qualitäten haben, die diese Eindrücke in mir und auf vergleichbare Art auch in anderen hervorrufen.
"In Wirklichkeit existiert das Sinnliche weder einfach »in mir« in Art eines Traums, noch einfach »in den Dingen« in Art einer ihnen intrinsischen Eigenschaft: Das Sinnliche ist ja gerade die Beziehung zwischen dem Ding und mir." (Quentin Meillassoux, Nach der Endlichkeit, S. 14)
Die zweite, die wissenschaftliche Beschreibung wäre eine, die objektivierbar und somit universalisierbar sein möchte, weil sie von den subjektiven Eindrücken, die wir von einem Gegenstand haben, absehen kann. Zugleich kommt sie uns gerade deshalb völlig unzureichend und minimalisiert vor.
"Mein wissenschaftlicher Tisch besteht zum grössten Teil aus Leere. Spärlich eingestreut in diese Leere sind zahlreiche elektrische Ladungen, die mit grosser Geschwindigkeit hin und her sausen; spärlich, denn ihr Gesamtvolumen beträgt weniger als den billionsten Teil von dem Volumen des ganzen Tisches." (Arthur S. Eddington, Das Weltbild der Physik und ein Versuch Seiner Philosophischen Deutung, S. 2)
Um die Sache noch komplizierter zu machen, müssen wir nun auch noch anerkennen, dass selbst diese gerade "objektivierbar" genannte wissenschaftliche Sicht der Dinge, an unsere menschlichen und immer auch subjektiven Auffassungen und Interpretationen gekoppelt ist. Die atomare Beschaffenheit der Dinge ändert sich zudem. Partikel gehen verloren, andere kommen hinzu und trotzdem bleibt der Tisch unser Tisch. Noch deutlicher bei Menschen: Mein Körper teilt mit dem von vor sieben Jahren keine seiner atomaren Bestandteile mehr und trotzdem bin ich ich. Ich bin so wie der Tisch mehr als alle meine Qualitäten. Man könnte also sagen, dass diese wissenschaftliche Auffassung dem Tisch noch weniger gerecht wird, als die sinnliche, die ja immerhin einen Eintritt in eine Beziehung zum "Ding ansich" bedeutet.
Harmans dritter Tisch, der einzig wirkliche Tisch
Graham Harman findet, dass der eine Tisch das Objekt auf unsere Empfindungen reduziert, während der andere Tisch auf die blutleere Beschreibung der Physik reduziert ist. Keine der beiden Beschreibungen könne den Tisch voll beschreiben, denn er ist auch dann noch dieser Tisch, wenn einige seiner atomaren Komponenten fehlen oder wenn er uns plötzlich völlig anders erscheint, als wir es gewohnt sind. Diese zwei Versionen des Tisches sind also unbefriedigend, sogar ein "Betrug" wie Harman sagt, denn was ist nun der wahre Tisch? Für Harman befindet sich der einzig wahre Tisch zwischen dem einen und dem anderen.Auch Harman unterscheidet die Objekte von ihren Qualitäten, wie wir es oben gemacht haben und er unterscheidet tatsächliche und "sinnliche Objekte". Die tatsächlichen Objekte sind unserem direkten Zugriff entzogen, aber uns allen über ihre Qualitäten zugänglich. "Sinnliche Objekte" sind lediglich einigen "Beobachtern" zugänglich. Weiterhin postuliert Harman, dass Objekte "tiefer" oder vielleicht reicher sind, als sie uns erscheinen und auch "tiefer" als die Beziehungen zwischen zwei Objekten (z.B. berührt ein Wassertropfen nie wirklich das Holz des Tisches, denn die elektrischen Ladungen zwischen den Objekten vermitteln lediglich eine Berührung der Objekte).
"Der wahre Tisch ist eine wahrhaftige Realität tiefer als jede theoretische oder praktische Begegnung mit ihm. Und darüber hinaus vermögen nicht einmal Steine oder Gewichte, die in den Tisch einschlagen, die innere Tiefe des Tisches zu erschöpfen. Der Tisch ist etwas tieferes als jegliche Beziehung, in die er durch uns oder andere Objekte involviert werden kann." (Graham Harman: The Third Table, S. 9f.)
"Unser dritter Tisch tritt als etwas hervor, das verschieden von seinen physikalischen Komponenten und auch von all seinen Effekten, die er haben mag, entzogen ist. Unser Tisch ist eine Zwischenform, die sich weder in subatomarer Physik noch in menschlicher Psychologie, sondern in einer permanent autonomen Zone, in der Objekte einfach nur sie selbst sind." (ebd, S. 10)
Das ist das, so Harman weiter, was in der aristotelischen Tradition "Substanz" heißt: die autonome Realität individueller Dinge. Harman will die Sicht des Aristoteles auf die Dinge als weder atomare Reduktion noch als Reduktion auf seine Erscheinung wieder beleben. Dinge seien nach Aristoteles immer individuell und unser Wissen und Erkennen ist immer universell (grün, schwer, quadratisch). So läge also auch für Aristoteles die Realität der Dinge außerhalb der Reichweite unseres Wissens.
Ende des Exkurses
Die dritte Kultur
Somit haben wir nun also einen Tisch, der weder durch die Physik noch durch unsere Sinne ausreichend begriffen werden kann. Und genau darauf wollte Harman hinaus. Das ist die Annäherung an die Realität als Philosoph, als einer, der die Wahrheit liebt, aber nie erschöpfend kennen kann. Harman stellt sogleich die Parallele zu den "zwei Kulturen" her, dem "wissenschaftlichen Realismus" und dem "sozialen Konstruktivismus", die beide als Philosophien gescheitert seien. Natürlich ruft das in Analogie zum Harmans dritten Tisch nach einer dritten Kultur, die er in der Ästhetik, in der Kunst sieht. Denn Künstler versuchen weder die Objekte in ihre atomaren Grundlagen zu zerlegen, noch wollen sie lediglich die Erscheinungen der Dinge reproduzieren. Sie jagen vielmehr den wahren und für immer unzugänglichen Objekten hinterher, indem sie versuchen, sie so zu realisieren, dass sie tiefer und reicher sind als ihre bloßen Erscheinungen, wenn sie nicht sgar Objekte andeuten, die ganz generell nicht herstellbar sind.Nachdem die Philosophie in den letzten Jahrhunderten versucht hat, durch rigorose Gründlichkeit mit den Naturwissenschaften aufzunehmen, sei es nun vielleicht an der Zeit, dass sich Philosophie in eine energische Kunst verwandle.
"Durch die Transformation von einer Wissenschaft in eine Kunst, erhält die Philosophie ihren ursprünglichen Charakter der Liebe zurück. Auf eine Art ist dieses erotische Modell das grundlegende Bestreben der objektorientierten Philosophie: der einzige Weg, im derzeitigen philosophischen Klima, der Liebe jener Weisheit gerecht zu werden, die nicht behauptet, wirklich Weisheit zu sein." (ebd, S. 15)
Man könnte mit Harman hierin nicht nur eine Brücke zwischen den ewig sich gegenüber stehenden Lagern innerhalb der Philosophie (Realisten und Idealisten) sehen, sondern auch eine zwischen den Geisteswissenschaften und den Naturwissenschaften und - warum hier aufhören - man könnte wie zuletzt Bruno Latour mit seiner anthropologischen Symmetrik noch einmal den Versuch unternehmen, die künstliche Trennung zwischen Kultur und Natur einzureißen und natürliche Phänomene mit den sozialen Phänomenen zusammen zu denken, anstatt sie als separate "Objekte" von grundverschiedenen Wissens- und Interessensstandpunkten heraus zu analysieren. Die Folgen, die solch ein ästhetischer, liebender Ansatz für unser Zusammenleben und unser Verhältnis zur Natur hätte, könnten sich als überaus positiv erweisen.